Startseite

Mitglieder(-vertreter)versammlung

 

§ 29 VAG spricht davon, dass die oberste Vertretung entweder eine Mitgliederversammlung oder eine Mitgliedervertreterversammlung sein kann. Das Gesetz hat keine der beiden Versammlungen bevorzugt, so dass sie gleichberechtigt nebeneinander stehen.

Die Mitgliederversammlung entspricht dem Gegenseitigkeitsprinzip und dem damit verbundenen Gedanken der demokratischen Selbstverwaltung in ursprünglichster Form. An der Mitgliederversammlung können alle Mitglieder teilnehmen und so mit Hilfe der Stimm- und Antragsrechte ihre eigenen Interessen vertreten. Es liegt das höchste Maß an formaler Repräsentativität vor. Mitgliederversammlungen finden sich bei einer Vielzahl von VVaG, wobei allerdings strukturelle Unterschiede festzuhalten sind. Je kleiner ein Versicherungsverein ist, desto eher ist die oberste Vertretung eine Mitgliederversammlung. Ebenso kommt bei Spezialversicherungsvereinen eher eine Mitgliederversammlung vor als eine Mitgliedervertretung. Umgekehrt finden sich bei größeren VVaG eher Mitgliedervertretungen als Mitgliederversammlungen.

Die Nachteile einer Mitgliederversammlung gerade für größere Vereine mit einer Vielzahl von Mitgliedern haben dazu geführt, dass viele Satzungen von VVaG eine Mitgliedervertretung für die oberste Vertretung als Repräsentativorgan vorgesehen haben. Die Satzung bestimmt hierbei die Anzahl der Mitglieder, in der Regel zwischen fünf und 60 Mitgliedern. Die Satzung kann besondere Voraussetzungen für die Wählbarkeit von Mitgliedern nach bestimmten Kriterien vorsehen. So lassen sich beispielsweise bestimmte Berufsgruppen oder Regionen repräsentieren. Auch kann die Auswahl der Mitgliedervertreter an bestimmte Beziehungsfelder (Multiplikatoren) geknüpft werden. In der Regel ist die Wählbarkeit von Vorstandsmitgliedern, Arbeitnehmern oder Vertretern des Außendienstes ausgeschlossen, um Interessenkollisionen oder mögliche Einflußnahme des Vorstandes auf die Mitgliedervertreter auszuschließen. Ebenfalls festgelegt wird die Amtsdauer der Mitgliedervertreter. Eine lange Amtsdauer gibt den Mitgliedervertretern nach ihrer Wahl die notwendige Unabhängigkeit, um sich einerseits in Sachthemen einzuarbeiten, andererseits für eine effiziente Kontrolle des Vorstandes einzutreten. Über das Unternehmen haben die Mitglieder die Möglichkeit, mit ihren Mitgliedervertretern in Kontakt zu treten.

Das System der Mitgliedervertretung entspricht auch dem Demokratieprinzip. Die Mitgliedervertretung im VVaG leitet sich aus dem grundgesetzlich normierten, höchst demokratischen Prinzip der Volksvertretung in der Politik ab. Auch in der Politik entscheidet nicht das Volk in jeder Frage unmittelbar, vielmehr wählt es seine Vertreter in den Bundestag, Landtag, Gemeinde- oder Stadtrat als Legislativorgan zur Kontrolle der Regierung. Dieses demokratische Prinzip gilt für die Mitgliedervertretung in einem Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit. Die Mitgliedervertretung hat sich in der Praxis bewährt. Ihre hohe Durchsetzung beruht darauf, dass die Mitgliedervertreterversammlung der Mitgliederversammlung überlegen ist durch Kostenvorteile, Kompetenzvorteile bei den Mitgliedervertretern, maximale Präsenz (Vermeidung von Zufallsmehrheiten), einen unterjährigen Sitzungsturnus, hohe Repräsentativität und hohe Kontinuität der Geschäftspolitik.


copyright: ARGE VVaG e.V. 2017
e-mail:service@arge-vvag.de